Die Welt brennt und uns ist kalt.
Männlichkeit soll wieder stark gemacht werden: Als autoritäre Staatsoberhäupter, steinharte Soldaten oder eiskalte Highperformer. „We live in a new world of great powers“, so eröffnete Merz dieses Jahr seine Rede beim WEF, und Deutschland mustert Männer(körper) wieder verpflichtend auf ihre Kampffähigkeit. Mit der Kriegstüchtigkeit einher geht ein Appell an die sogenannte traditionelle Geschlechterordnung: Männer produzieren und kämpfen, Frauen reproduzieren und pflegen. Die Instrumentalisierung gebärfähiger Körper gipfelt dann in Aufrufen zur biologischen „Wiederaufrüstung“, wenn Macron gebährfähige Menschen ganz unverhohlen per Brief dazu animieren will, Kinder zu bekommen. Begründet wird dies mit den vermeintlich alternativlosen Regeln des Krieges und der angeblich „natürlichen“, patriarchal-nationalen Ordnung des Kapitalismus.
Neben Frauen bekommen das insbesondere queere Menschen zu spüren, deren Existenz sich nicht in eine binäre Weltsicht pressen lässt. Die Sichtbarkeit queerer Lebensweisen wird durch das Zurückdrängen queerer Bildungsarbeit bedroht, die mühsam erkämpften rechtlichen Fortschritte angegriffen und die Gewalt gegen queere Menschen nimmt weltweit immer mehr zu. Besonders deutlich zeigt sich das in den rechtsextremen Angriffen auf CSDs seit 2024.
Antifeminismus und Queerfeindlichkeit sind zentrale Ideologieelemente der globalen Rechten:
Das Ideal sind harte heterosexuelle Männer, denen Frauen sich als „Tradwives“ fügen und unterordnen sollen. Feministische Errungenschaften wie halbwegs liberale Abtreibungsrechte, das Selbstbestimmungsgesetz oder die Idee fair verteilter Carearbeit werden von den USA über Ungarn bis Deutschland, von religiösen Netzwerken bis Jugendkulturen, von AfD über CDU bis SPD ins Wanken gebracht. Eine weitere Errungenschaft ist der bessere Schutz vor patriarchaler Gewalt, den Generationen von Feminist*innen zum Beispiel in Form von autonomen Frauenhäusern und Beratungsstellen oder Gesetzen gegen sexualisierte Gewalt erkämpft haben. Dass dieser leider immer noch völlig unzureichend ist, weil patriarchale Machtstrukturen vor allem Täter schützen, wird deutlich, wenn fast jede zweite Frau in ihrem Leben psychische Gewalt in einer (Ex-)Partnerschaft erlebt, migrantisierte Menschen und die LGBTQIA+-Community besonders stark von Gewalt betroffen ist und 90 Prozent der Gewalttaten im Dunkelfeld verbleibt. Anstatt Gewaltschutz auszubauen, wird er von den Herrschenden mittlerweile vor allem als „Schutz von Frauen“ vorgeschoben, um migrantisierte Personen zu drangsalieren, abzuschieben, zu entführen oder direkt zu ermorden.
So sehr wir uns auch wünschen würden, es wäre anders: Antifeministische Tendenzen und patriarchale Strukturen können wir nicht ausschließlich bei unseren politischen Gegnern verorten. Sie sind tief in unserer Sozialisation und unserer Gesellschaft verankert – und damit auch in den eigenen Reihen. Ob Mackergehabe, Grenzüberschreitungen oder Täterschutz: Wir haben genug davon.
Unsere Wut teilen wir und unseren Widerstand organisieren wir gemeinsam:
Denn diese gemeinsamen Kämpfe sind es, die uns Wärme geben. Deshalb geht mit uns am 8. März zum feministischen Kampftag auf die Straße: Gegen Patriarchat, Staat, Kapitalismus und Faschismus! Laut für eine Welt, in der wir verbunden sein können statt uns zu verpanzern, in der wir uns unterstützen statt uns zu untergraben und in der wir einen Ausweg aus der Auswegslosigkeit für alle aufbauen.
Der Gewalt und Grausamkeiten in Syrien, im Iran, in Palästina, in Israel, im Sudan, in Afghanistan, in den USA und an so vielen anderen Orten wollen wir gemeinsam etwas entgegensetzen – wir solidarisieren uns und stehen Seite an Seite mit allen, die für eine freie und feministische Zukunft kämpfen!
Für alles andere werden wir uns nicht einspannen lassen – uns nicht in den Dienst von Vaterland und Staat stellen. Wird uns kälter, rücken wir näher zusammen. Vereint in unserer Wut, wärmt uns der Glaube an eine bessere Welt. Eine Welt, die frei ist von patriarchalen, nationalen und kapitalistischen Zwängen – eine solidarische Welt, in der alle die Freiheit haben, sie selbst zu sein, eine Welt, die wir alle gemeinsam gestalten können. Die Geschichte endet nicht hier, eine bessere Welt ist möglich. Holen wir sie uns!
Demonstration
8. März 2026, 14:00 Uhr
Hauptwache, Frankfurt
